National Parks Madagaskar
Midongy du Sud National Park – Die grüne Kathedrale des Südens
Einführung
Versteckt im tiefen Süden Madagaskars erhebt sich der Midongy du Sud Nationalpark wie eine gewaltige, lebendige Kathedrale aus Grün. Hier, fernab der großen Straßen und Siedlungen, bestimmen Regen, Nebel und dichtes Blätterdach das Bild der Landschaft. Wer diesen Ort betritt, taucht ein in eine Welt, die sich seit ihrer Entstehung kaum verändert hat – geheimnisvoll, feucht und voller Leben, das oft im Verborgenen gedeiht.
Für welche Tiere ist der Park bekannt?
Midongy du Sud ist ein Schatzkästchen endemischer Arten – viele von ihnen sind nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Lemuren wie der scheue Bambuslemur huschen durch das Unterholz, während der charismatische Rotbauchmaki mit leuchtenden Augen neugierig aus den Bäumen späht. Für Ornithologen ist der Park ein Paradies: Seltene Vögel wie der Madagaskar-Paradiesschnäpper oder der farbenprächtige Pitta fliegen zwischen den Baumriesen, begleitet vom melodischen Ruf des Madagaskar-Kuckucks.
Auch Reptilienliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Chamäleons in allen Grüntönen, Geckos mit fast durchscheinender Haut und filigrane Baumschlangen nutzen die feuchten Wälder als Lebensraum. Das Feuchtklima bringt zudem ungewöhnliche Beobachtungen mit sich: winzige, harmlose Blutegel, die wie unsichtbare Wächter im Unterholz lauern. In den Flüssen des Tieflands leben Fische, die sich perfekt an das ständig wechselnde Wasserregime angepasst haben – ein Zeichen dafür, wie einzigartig dieses Ökosystem ist.
Welche Landschaft prägt den Park?
Der Midongy du Sud Nationalpark ist ein Land der Extreme. Steile Berge wechseln sich mit tiefen Tälern ab, in denen Flüsse wie silberne Bänder durch das Grün mäandern. Die Höhenlagen reichen vom feuchten Tiefland bis zum fast mystisch wirkenden Gipfel des Berges Papango, wo Nebel und Wolken oft so dicht hängen, dass man nur wenige Meter weit sehen kann.
Die Wälder selbst wirken wie ein undurchdringliches Grün aus einer anderen Zeit. Gewaltige Ebenholz- und Palisanderbäume recken sich in den Himmel, ihre Stämme mit Moos, Flechten und Farnen überzogen. Zwischen ihnen winden sich Lianen, und an den feuchtesten Stellen leuchten Orchideenblüten in allen Farben – mindestens 15 der hier wachsenden Arten sind bedroht. An manchen Stellen öffnen sich Sümpfe, in denen das Wasser wie ein dunkler Spiegel das Blätterdach reflektiert.
Der ständige Regen lässt alles in einem satten, fast unwirklichen Grün erstrahlen. Selbst der Boden ist hier ein lebendiger Teppich aus Moos, auf dem jeder Schritt gedämpft wirkt.
Ein Besuch im Midongy du Sud Nationalpark ist eine Expedition in eine der letzten großen Regenwaldregionen Madagaskars. Hier geht es nicht um Komfort oder Leichtigkeit, sondern um das pure Eintauchen in eine Welt, in der der Mensch nur Gast ist. Wer bereit ist, sich auf diese Wildnis einzulassen, wird mit Eindrücken belohnt, die tiefer gehen als jede Postkartenansicht: das Grollen eines fernen Wasserfalls, das Tropfen des Regens von Blatt zu Blatt, das rasche Verschwinden eines Lemurs im Dickicht. Midongy du Sud ist ein Ort, den man nicht einfach „gesehen“ hat – er bleibt als Erlebnis im Innersten bestehen.
Beste Besuchszeit
Die günstigste Zeit für eine Reise in den Midongy du Sud Nationalpark liegt zwischen Juni und Ende November. Dann sind die Wege zumindest etwas trockener, und die Landschaft zeigt sich in einer klareren, zugänglicheren Form – ohne dass sie ihre wilde, ursprüngliche Schönheit verliert.